Angélica Liddells Seppuku feiert Uraufführung bei den Wiener Festwochen 2024
Evi NergerAngélica Liddells Seppuku feiert Uraufführung bei den Wiener Festwochen 2024
Die Wiener Festwochen 2024 präsentieren eine mutige Auseinandersetzung mit Leben, Tod und dem Makabren. Eines der eindrucksvollsten Stücke ist Angélica Liddells Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben, das im Volkstheater uraufgeführt wurde. Die Inszenierung taucht ein in das Leben jener, die sich für den Freitod entschieden, und speist sich aus den persönlichen Erfahrungen der Künstlerin.
Die spanische Performancekünstlerin Angélica Liddell war Anfang dieses Jahres in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Dieses Erlebnis prägte ihr jüngstes Werk, Seppuku, eine zweistündige Produktion, die in einem leidenschaftlichen Plädoyer für den Freitod gipfelt. Gleichzeitig setzt das Stück dem japanischen Schriftsteller Yukio Mishima ein Denkmal, der 1970 durch einen rituellen Suizid von sich reden machte.
Liddells Inszenierung verbindet Ästhetik des Nō-Theaters mit ihrem eigenen, ungestümen Stil. Ein prägnanter Moment zeigt eine blutbespritzte Szene, die die rohe emotionale Wucht des Stücks unterstreicht. Um das Leid der Verstorbenen einzufangen, trägt sie deren Kleidung und erzählt ihre Geschichten. Ihre Compagnie, Atra Bilis Teatro, sammelte für diesen Zweck Kleidungsstücke, die einst Toten gehörten.
Das Festival steht unter dem Motto Republik der Götter und verbindet seine vielfältigen Produktionen durch eine übergreifende Dramaturgie. Liddells Werk sticht hervor durch seine schonungslose Konfrontation mit der Sterblichkeit und die künstlerische Verschmelzung kultureller Einflüsse. Die Inszenierung fordert das Publikum mit ihrer offenen Darstellung von Suizid und ihrer künstlerischen Hommage an Mishima heraus. Durch die Verwendung echter Kleidung Verstorbener verleiht Liddell der Aufführung eine gespenstische Authentizität.
Die Wiener Festwochen beweisen einmal mehr ihren Mut zur Provokation, indem sie solch persönliche und grenzenüberschreitende Werke zeigen.






