Brasilien versteigert 19 Ölblöcke im Amazonas – trotz Protesten und Klimazielen
Klaudia GnatzBrasilien versteigert 19 Ölblöcke im Amazonas – trotz Protesten und Klimazielen
Brasiliens Nationale Agentur für Erdöl, Erdgas und Biokraftstoffe veranstaltete am 17. Juni 2025 eine große Versteigerung fossiler Brennstoffe. Bei der Auktion wurden 172 Erdöl- und Erdgasblöcke angeboten, davon 68 in der brasilianischen Amazonasregion. Umwelt- und Indigenenorganisationen äußerten umgehend Bedenken hinsichtlich des Verfahrens und seiner Folgen.
Zu den versteigerten Blöcken gehörten 47 am Mündungstrichter des Amazonas. Davon wurden 19 erfolgreich vergeben, die zusammen 16.312 km² Meeresgebiet umfassen. Multinationale Konzerne wie Chevron, CNPC, ExxonMobil und Petrobras sicherten sich mehrere dieser Blöcke.
Kritiker wiesen vor der Auktion auf gravierende Verfahrensmängel hin: Es wurde keine Umweltverträglichkeitsprüfung der Sedimentgebiete durchgeführt, und es fehlte die freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen und traditionellen Gemeinschaften – ein Verstoß gegen das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Die Bundesstaatsanwaltschaft Brasiliens reagierte mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung, um die Auktion zu stoppen. Als Gründe nannte sie Verfahrensfehler und unzureichende Folgenabschätzungen. Gisela Hurtado von Stand.earth verurteilte die Versteigerung scharf und warnte, sie gefährde indigene Territorien und untergrabe das Pariser Klimaabkommen.
Auch Häuptling Jonas Mura vom Volk der Mura positionierte sich gegen die Auktion. Er argumentierte, dass Erdöl- und Erdgasförderung Zerstörung und Verschmutzung in die Region bringe. Unterstützer fügten hinzu, die Versteigerung stehe im Widerspruch zu Brasiliens Klimazielen und schwäche dessen Glaubwürdigkeit als Gastgeber der UN-Klimakonferenz COP30.
Trotz rechtlicher Klagen und breiter Kritik wurde die Auktion durchgeführt. Die 19 vergebenen Blöcke umfassen nun ein riesiges Meeresgebiet im Amazonas. Beobachter bemerken, dass Brasilien damit eine Chance verpasst habe, Führungsstärke im Bereich erneuerbarer Energien und Klimaschutz zu zeigen.
