Digitale Souveränität: Deutsche Unternehmen erkennen Bedeutung – handeln aber kaum
Branko TlustekDigitale Souveränität: Deutsche Unternehmen erkennen Bedeutung – handeln aber kaum
Neue Studie misst digitale Souveränität deutscher Organisationen – mit durchwachsenem Ergebnis
Der neu veröffentlichte „Digital Sovereignty Index“ (DSI), entwickelt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, zeigt ein gemischtes Bild: Zwar betrachten die meisten Unternehmen digitale Souveränität als wichtig, doch nur wenige verfügen über konkrete Pläne zu deren Umsetzung.
Mit einem durchschnittlichen Reifegrad von 65,8 Prozent liegt Deutschland im Mittelfeld. Besonders kleinere Unternehmen mit weniger als 2.500 Beschäftigten schneiden besser ab (68,9 %) als Großkonzerne (64,2 %). Die öffentliche Verwaltung hängt mit 64 Prozent hinterher.
Abhängigkeit von ausländischen Anbietern bleibt hoch Mehr als 60 Prozent der Unternehmen setzen bei kritischen Technologien wie Cloud-Diensten, Software und KI auf nicht-europäische Anbieter. Trotz dieser Abhängigkeit wären 80 Prozent bereit, für souveräne Alternativen mehr zu zahlen – im Schnitt einen Aufschlag von 17 Prozent.
Bewusstsein ist vorhanden, Strategien fehlen Dass digitale Souveränität ein zentrales Thema ist, daran besteht kaum Zweifel: 92 Prozent der Befragten stufen sie als wichtig ein. Doch nur 21 Prozent verfügen über eine eigenständige Strategie, und lediglich 13 Prozent verankern das Thema in ihrer Unternehmensplanung. Verantwortlich sind meist die IT-Abteilungen – bei 46 Prozent der Unternehmen liegen Cloud- und Sicherheitsfragen allein in deren Händen. Nur 25 Prozent binden den Vorstand in die Steuerung digitaler Souveränität ein.
Erkenntnis ohne Konsequenz Die Studie offenbart eine deutliche Lücke zwischen Wahrnehmung und Handlung: Die Bedeutung digitaler Souveränität wird zwar anerkannt, doch strukturierte Ansätze fehlen. Angesichts der anhaltenden Abhängigkeit von ausländischen Anbietern könnte der Druck auf mehr Eigenständigkeit in der digitalen Infrastruktur in den kommenden Jahren eine stärkere strategische Ausrichtung erfordern.






