EU-Paket ignoriert Open-Source-Hardware – und riskiert technologische Abhängigkeit
Aneta WilmsenEU-Paket ignoriert Open-Source-Hardware – und riskiert technologische Abhängigkeit
EU-Technologiesouveränitätspaket vernachlässigt Open-Source-Hardware
Das Technologiesouveränitätspaket der EU hat Aufmerksamkeit erregt – allerdings wegen seines Schweigens zum Thema Open-Source-Hardware. Zwar werden RISC-V und Open-Source-EDA-Tools (Elektronische Designautomatisierung) erwähnt, doch eine klare Strategie für diesen entscheidenden Bereich fehlt. Experten argumentieren, dass eine Ausweitung des Prinzips „Öffentliches Geld, öffentlicher Code“ auf Hardware zentrale Lücken in Europas technologischer Unabhängigkeit schließen könnte.
Open-Source-Hardware bietet ähnliche Vorteile wie Open-Source-Software: Transparenz, Prüfbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Doch wegen der physischen Natur von Hardware sind Abhängigkeiten schwerer zu überwinden – und die Risiken höher. Das Paket lässt offen, wie Europa Absorptionsfähigkeiten in diesem Bereich aufbauen will, obwohl der Investitionsbedarf offensichtlich ist.
Aktuell gibt es in Europa kein einheimisches Unternehmen, das Hochleistungs-Server für Rechenzentren entwickeln und fertigen kann. Der Mangel an Hardware-Design-Fachkräften ist dramatisch: Schätzungen zufolge fehlen über 100.000 Spezialisten in den Bereichen Chipdesign und elektronische Designautomatisierung. Die im Paket vorgesehenen Maßnahmen zur Qualifizierung gehen auf diese Lücke nicht ein – und auch die Open-Hardware-Communities bleiben unberücksichtigt.
Befürworter fordern, die Hardware-Design-Ebene zu öffnen und Wissen als gemeinsame Ressource zugänglich zu machen. Zudem sollten von der Öffentlichkeit finanzierte Hardware-Entwürfe – analog zur Software – unter offenen Lizenzen veröffentlicht werden. Doch das Paket behandelt Open-Source-Hardware nur als nachrangiges Thema. Ohne gezielte Maßnahmen droht Europa in kritischen Hardware-Kompetenzen weiter zurückzufallen. Ein stärkerer Fokus auf Fachkräftentwicklung und offene Designprinzipien könnte hingegen die technologische Zukunft des Kontinents sichern.






