02 April 2026, 14:13

Jeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – doch Prävention fehlt

Eine Karte von Australien, die den Prozentsatz von Minderjährigen in jedem Bundesstaat hervorhebt, begleitet von Texten über einvernehmlichen Sex und die Registrierung von Sexualstraftätern.

Jeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – doch Prävention fehlt

Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland war bereits mit sexualisierter Gewalt im Internet konfrontiert – das ergab eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit. Das Problem beschränkt sich dabei nicht auf Gefahren durch Fremde: Viele Vorfälle ereignen sich in Freundeskreisen oder Schulchats, oft aufgrund mangelnden Bewusstseins. Fachleute betonen nun die Dringlichkeit umfassender Präventionsmaßnahmen, die Bildung und gesellschaftlichen Wandel einschließen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Eine dieser Expertinnen ist Yasmina Ramdani, die in Thüringen ein einzigartiges Pilotprojekt zur Bekämpfung des Problems geleitet hat. In ihren Workshops erreichte sie rund 5.000 Schülerinnen und Schüler und setzte interaktive Methoden ein, um über digitale Grenzen und Risiken zu sprechen.

Besonders besorgniserregend bleibt das sogenannte Cybergrooming, bei dem Täter Online-Räume nutzen, um Kinder auf Weise anzusprechen, die offline undenkbar wären. Viele Fälle entstehen auch aus Naivität: Jugendliche teilen unangemessene Inhalte oder überschreiten Grenzen, ohne die Konsequenzen zu erkennen.

Ramdanis dreijähriges Projekt, finanziert von der Thüringer Landesbeauftragten für den Kinderschutz, war das erste seiner Art in Deutschland. Mit Hilfsmitteln wie Bingokarten verband sie digitale Erfahrungen der Schüler mit realen Diskussionen – ein Ansatz, der komplexe Themen greifbarer machen sollte.

Trotz solcher Fortschritte fehlen bundesweite Daten zu Präventionsworkshops. Zwar gab es vereinzelte Veranstaltungen – etwa einen Workshop zum Cybermobbing an der Uni Siegen im Mai 2025 oder ein Zivilcourage-Training in Rheinland-Pfalz –, doch flächendeckende Zahlen für die 5. bis 8. Klassen existieren nicht. Lehrkräfte fühlen sich oft überfordert, was den Bedarf an besserer Ausbildung und Ressourcen unterstreicht.

Ramdani plädiert dafür, Prävention nicht auf Schulen zu beschränken. Eltern sollten ihr eigenes digitales Verhalten reflektieren und offen mit Kindern über Grenzen sprechen. Zudem fordert sie eine gesellschaftsweite Strategie, die auch die Rolle von Tech-Unternehmen bei der Ermöglichung oder Verhinderung von Online-Schäden hinterfragt.

Das Thüringer Pilotprojekt zeigte, wie strukturierte Aufklärung Jugendlichen helfen kann, digitale Risiken zu bewältigen. Doch Experten warnen: Nachhaltiger Schutz erfordert mehr als Einzelinitiativen. Ohne flächendeckende Umsetzung bleiben viele Schülerinnen und Schüler sexualisierter Online-Gewalt schutzlos ausgesetzt. Angesichts anhaltender Vorfälle wird der Ruf nach bundesweiten Maßnahmen – von Klassenzimmern bis zu Technologiepolitik – immer dringlicher.

Quelle