Kartoffelpreise im freien Fall: Bauern kämpfen mit Rekordernte und Preiskrise
Branko TlustekTop Potato Harvest - But Consumers See Little Benefit - Kartoffelpreise im freien Fall: Bauern kämpfen mit Rekordernte und Preiskrise
Kartoffelpreise in Deutschland auf Rekordtief – Bauern kämpfen mit massivem Überangebot
In dieser Saison sind die Kartoffelpreise in Deutschland auf historische Tiefstände gesunken, während Landwirte mit einem enormen Überangebot zu kämpfen haben. Die Überschwemmung des Marktes folgt auf eine Rekordernte: Die Produktion stieg um mehr als 5 %, und die Anbauflächen erweiterten sich um fast 7 %. Zwar sind die Preise im Supermarkt leicht gesunken, doch die Erzeuger erhalten nur einen Bruchteil dessen, was Verbraucher an der Kasse bezahlen.
In den vergangenen fünf Jahren sind die weltweiten Kartoffelpreise aufgrund des europäischen Überangebots kontinuierlich gefallen. In dieser Saison brachen die Preise in einigen Marktsegmenten im Vergleich zu 2023 um über 50 % ein. Auch die deutschen Erzeugerpreise, die Indizes wie der EEX-Kartoffelindex abbilden, stürzten ab und erreichten Tiefstände von 2,00 Indexpunkten. Der Rückgang fällt zusammen mit einer Ernte von über 7 Millionen Tonnen in Polen und einem Überschuss von 860.000 Tonnen in Belgien.
Landwirte in Norddeutschland erhalten derzeit kaum mehr als 10 Euro für 100 Kilogramm Kartoffeln. Trotz des Überangebots bleibt es selten, dass Ernten auf dem Feld verrotten – faulende Kartoffeln können Krankheiten verbreiten und sind nur begrenzt lagerfähig. Verschärft wird die Lage durch strenge Sortenanforderungen: Speise-, Verarbeitungs-, Stärke- und Pflanzkartoffeln lassen sich nicht einfach für andere Zwecke umwidmen.
Im Einzelhandel sind die Preise um bis zu sieben Cent pro Kilogramm gegenüber dem Vorjahr gesunken. Dennoch liegen die Supermarktpreise oft über 1,50 Euro pro Kilogramm – das Zehn- bis Fünfzehnfache dessen, was die Bauern erhalten. Der Marktexperte Christoph Hambloch betont, dass zwar die Verbraucherpreise leicht nachgegeben hätten, für Kunden aber weiterhin hoch seien.
Zusätzlichen Druck übt die globale Konkurrenz auf den deutschen Kartoffelsektor aus. Neue Mitspieler wie China und Indien fordern Europas Vorherrschaft bei Tiefkühlpommes heraus, während ein starker Euro die Nachfrage nach Exporten dämpft. Ohne vorherige Verträge drohen unverkaufte Kartoffeln zu verrotten oder in minderwertige Verwendungen umgelenkt zu werden.
Die aktuelle Saison hat deutsche Kartoffelbauern trotz Rekorderten mit Bodenpreisen zurückgelassen. Während die Anbauflächen wachsen und der Wettbewerb zunimmt, bleibt die Kluft zwischen Erzeuger- und Einzelhandelspreisen eklatant. Analysten warnen: Ohne Marktkorrekturen könnte das Überangebot auch in den kommenden Saison anhalten.






