THTR-300 in Hamm: Stilllegung bis 2030 nach jahrzehntelangem Atom-Debakel
Aneta WilmsenTHTR-300 in Hamm: Stilllegung bis 2030 nach jahrzehntelangem Atom-Debakel
Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm: Stilllegung bis 2030 nach jahrelangen technischen Problemen
Der Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, soll bis 2030 stillgelegt werden – nach Jahren technischer Schwierigkeiten. Die mit erheblichen öffentlichen Mitteln gebaute Anlage war während ihrer kurzen Betriebszeit von wiederholten Pannen betroffen. Ein aktuelles Gerichtsurteil klärt nun, wer die verbleibenden Kosten der Abschaltung tragen muss.
Der THTR-300 nahm mit einer elektrischen Leistung von 300 Megawatt den Betrieb auf, doch es häuften sich Probleme. In nur 423 Volllasttagen kam es zu 125 meldepflichtigen Zwischenfällen, was schließlich zur endgültigen Abschaltung am 1. September 1989 führte. Auslöser war der Bruch von Haltebolzen in der Heißgasleitung – ein Defekt, der einen sicheren Weiterbetrieb unmöglich machte.
Seit der Einstellung des kommerziellen Betriebs sind für den Rückbau bereits rund 441 Millionen Euro aufgewendet worden: Der Bund steuerte 133 Millionen bei, das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) 152 Millionen und die Betreibergesellschaft etwa 156 Millionen. Dennoch verbleibt der Reaktor bis 2027 in sicherem Einschluss, bevor ab 2028 mit den Abrissvorbereitungen begonnen wird. Die vollständige Stilllegung ist bis 2030 geplant, doch die abschließenden Aufräumarbeiten werden voraussichtlich bis 2044 andauern.
Der Bau des Reaktors wurde größtenteils aus Steuergeldern finanziert – der Bund stellte 1.284 Millionen Euro bereit, NRW weitere 233 Millionen. Im September 2025 stellte das Amtsgericht Dortmund die Betreibergesellschaft, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), unter vorläufige Insolvenzverwaltung. Hintergrund waren Streitigkeiten darüber, wer die verbleibenden Rückbaukosten tragen soll.
In einer richtungsweisenden Entscheidung urteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf, dass weder der Bund noch NRW rechtlich verpflichtet seien, zusätzliche Kosten zu übernehmen. Unterdessen lagern in Ahaus weiterhin 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Kugeln in einem Zwischenlager – eine dauerhafte Entsorgungslösung steht noch aus.
Die Stilllegung des THTR-300 wird sich über fast zwei Jahrzehnte erstrecken: Ab 2028 beginnen die Abrissarbeiten, die voraussichtlich bis 2044 abgeschlossen sein werden. Durch das Urteil entfallen weitere finanzielle Verpflichtungen für Bund und Land, während die insolvente Betreibergesellschaft für die noch offenen Kosten verantwortlich bleibt. Die in Ahaus gelagerten radioaktiven Abfälle harren weiterhin einer langfristigen Lösung.






