07 April 2026, 06:14

Warum Pressesprecher und Journalisten immer seltener direkt sprechen

Eine Gruppe von Menschen an einem öffentlichen Ort in eine hitzige Diskussion mit Reportern vertieft, die Mikrofone, Handys und Papiere im Hintergrund halten.

Warum Pressesprecher und Journalisten immer seltener direkt sprechen

Eine aktuelle Debatte unter Journalisten hat die wachsende Frustration über Kommunikationsbarrieren mit Pressestellen deutlich gemacht. Der freiberufliche Reporter John Stanley Hunter löste die Diskussion auf LinkedIn aus, indem er fragte, warum Pressesprecher zunehmend zögerten, direkt mit Medienvertretern zu sprechen. Die Frage stieß schnell auf Resonanz – von Redakteuren, Reportern und Branchenexperten, von denen viele ähnliche Erfahrungen mit unbeantworteten Anrufen und abgewimmelten Bitten um Stellungnahmen teilten.

Hunters Beitrag traf bei Peter Ehrlich, Reporter der Süddeutschen Zeitung, auf Zustimmung. Ehrlich argumentierte, Journalisten bräuchten direkten Zugang zu den Mobilfunknummern von Pressesprechern, um ihre Arbeit effektiv erledigen zu können. Marco Cabras, Mitgründer der Nachrichtenagentur newskontor, drehte den Spieß um und fragte, warum Journalisten selbst oft telefonisch nicht erreichbar seien – ein Hinweis darauf, dass das Problem beidseitig besteht.

Mehrere Redakteure beschrieben eine deutliche Veränderung in der Arbeitsweise von Presseteams. Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, stellte fest, dass Anrufe bei Pressestellen heute häufig mit der Aufforderung quittiert werden, stattdessen eine E-Mail zu schicken. Thomas Holzamer, geschäftsführender Redakteur von Finance Online, berichtete von ähnlichen Erfahrungen: Presseteams ignorierten Telefonate systematisch und zwängen Reporter so, auf schriftliche Kanäle auszuweichen.

Die Gründe für diesen Wandel sind vielfältig. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer von ECCO Düsseldorf, verwies auf eine zunehmende Risikoaversion in der Unternehmenskommunikation, bei der spontane Äußerungen vermieden werden, um Fehltritte zu verhindern. Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, ergänzte, dass ihr Team oft auf schriftliche Stellungnahmen von Unternehmen bestehe, um rechtlich abgesichert zu sein – was mündliche Gespräche weniger praktikabel mache. Sachar Klein, Chief Attention Officer bei hypr, beobachtete zudem, dass viele Journalisten mittlerweile selbst schriftliche Kommunikation bevorzugten, da diese eine bessere Dokumentation und Nachverfolgung ermögliche.

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Doch nicht alle Kontakte sind inzwischen unpersönlich geworden. Michael Knauer, Reporter bei Automobilwoche, räumte zwar den Trend ein, betonte aber, dass einige Pressesprecher für vertraute Journalisten nach wie vor Ausnahmen machten und bei Bedarf direkte Gespräche anböten.

Die Debatte offenbart eine wachsende Kluft zwischen Journalisten und Pressestellen, angetrieben durch unternehmerische Vorsicht, rechtliche Bedenken und sich ändernde Kommunikationsgewohnheiten. Zwar bieten schriftliche Austausche mehr Dokumentation und weniger Risiken, doch der Verlust direkter Dialoge könnte die Berichterstattung verlangsamen und die Tiefe der öffentlich verfügbaren Informationen einschränken. Vorerst scheinen beide Seiten sich – wenn auch nicht ohne Reibungen – an einen formelleren, E-Mail-basierten Ansatz anzupassen.

Quelle