14 June 2026, 12:11

Wim Wenders' Falsche Bewegung entfacht Debatte über Kinderschutz im Film

Das Unbehagen Hat Viele Seiten

Wim Wenders' Falsche Bewegung entfacht Debatte über Kinderschutz im Film

Eine Debatte um Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung von 1975 ist nach einer Vorführung in Frankfurt neu entfacht. Der Streifen enthält eine umstrittene Szene, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski halb entblößt zu sehen ist. Die Diskussion hat sich mittlerweile auf andere Kinderdarsteller und ihre Erfahrungen in Hollywood ausgeweitet.

Der Film wurde im März 2023 im Frankfurter Filmmuseum im Rahmen einer Wenders-Retrospektive gezeigt, wodurch seine problematische Hinterlassenschaft einer breiteren Öffentlichkeit bewusst wurde. Kinski hatte jahrelang versucht, die Szene entfernen zu lassen, stieß jedoch erst auf Resonanz, nachdem Wenders ihren Antrag öffentlich abgelehnt hatte.

Wenders entschuldigte sich später bei Kinski und zog den Film aus dem Verleih zurück. Dennoch bleiben die zentralen Fragen nach künstlerischer Integrität und ethischer Verantwortung ungeklärt. Manche argumentieren, Filme könnten inhaltlich bearbeitet werden, ohne ihren Kern zu verlieren, während andere auf der Bewahrung des Originals bestehen.

Brooke Shields, die in Pretty Baby eine 11-jährige Kindesprostituiere spielte, äußerte sich unbehaglich darüber, ihre Mitwirkung in einem als „unmoralisch“ eingestuften Film rechtfertigen zu müssen. Jodie Foster, die mit 12 Jahren in Taxi Driver mitspielte, sprach hingegen stets mit Humor über ihre Rolle – ein Kontrast zu Kinskis Erfahrung. Auch Natalie Portman, Dakota Fanning und Kirsten Dunst reflektierten öffentlich über ihre frühen Karrierejahre.

Kinskis Eingreifen veränderte die Debatte über vergangene Kontroversen und förderte einen differenzierteren Umgang damit. Forderungen nach einer Kennzeichnung oder Einordnung heute als unangemessen geltender Szenen gelten als vorübergehende Lösung, während das eigentliche Ziel in einem größeren Bewusstseinswandel liegt.

Die Diskussion zeigt, wie komplex die Aufarbeitung vergangener Skandale im Kino ist. Gleichzeitig unterstreicht sie die Bedeutung professioneller Standards und eines respektvollen Umgangs am Set. Eine klare Lösung ist vorerst nicht in Sicht – die Debatte geht weiter.

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