12 February 2026, 10:32

90-Jährige in Dortmund verliert ihr Zuhause – trotz lebenslanger Erinnerungen

Ein altes Gebäude mit Schutt aus Holzlatten und Steinen auf dem Boden, mit einer Wand im Hintergrund, die den Abriss vermuten lässt.

90-Jährige in Dortmund verliert ihr Zuhause – trotz lebenslanger Erinnerungen

90-jährige Frau in Dortmund steht vor Räumung – ihr Wohnhaus soll abgerissen werden

Lieselotte Hoeber muss bis zum 30. April ihre Wohnung verlassen, obwohl ihr hohes Alter und die emotionale Belastung des Umzugs gegen einen solchen Schritt sprechen. Der Vermieter, der Versicherungskonzern Volkswohl Bund, begründet den Abriss damit, dass das Gebäude wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei – eine Begründung, die Mieter und Aktivisten vehement bestreiten.

Lieselotte Hoeber lebt seit Jahrzehnten in ihrer Wohnung, doch nach Jahren des Widerstands hat sie sich nun mit dem Unvermeidlichen abgefunden. Zwar gesteht sie, dass der Umzug in ihrem Alter schwerfallen wird, doch plant sie, in eines der neu renovierten Häuser in der Nähe zu ziehen. Ihr Fall steht exemplarisch für ein größeres Problem: Alle 36 Haushalte in fünf Wohnblöcken erhielten identische Räumungsbescheide – was Fragen zur Rechtmäßigkeit des Vorgehens aufwirft.

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Der Volkswohl Bund beharrt darauf, dass der Abriss wegen hoher Sanierungskosten unvermeidbar sei. Der Mieterverein hingegen bezeichnet diese Argumentation als "völligen Unsinn". Die Mietervertretung wirft dem Vermieter vor, die Bewohner zu täuschen, und verweist darauf, dass das Unternehmen nur wenige Häuserblocks entfernt andere Immobilien modernisiert – statt sie abzureißen. Einige der betroffenen Mieter sind bereits in aufgewertete Wohnungen umgezogen, Gerüchten zufolge mit finanziellen Anreizen, um ihren Auszug zu erleichtern.

Politische Unterstützung blieb bisher aus, viele fühlen sich im Stich gelassen. Der Dortmunder Stadtplanungschef räumte ein, es gebe "praktisch keine rechtlichen Mittel", um die Abrisse zu stoppen. Unterdessen sind die einst gut besuchten öffentlichen Proteste weitgehend verstummt – nur eine kleine Solidaritätsgruppe setzt sich noch für die verbleibenden Bewohner ein.

Die Räumungen werden wie geplant durchgeführt; Lieselotte Hoeber und andere müssen bis Ende April ihre Wohnungen verlassen. Zwar haben einige Mieter in den sanierten Gebäuden eine neue Bleibe gefunden, doch der Streit um die Motive des Volkswohl Bunds bleibt ungelöst. Der Fall zeigt die Herausforderungen, vor denen ältere und langjährige Mieter in einem sich wandelnden Wohnungsmarkt stehen.