20 February 2026, 12:34

AfD in der Nepotismus-Falle: Warum eine 80-Jährige im Büro eines Abgeordneten arbeitet

Ein gelbliches, altes Papier mit sauberer, lesbarer Schreibschrift, das angeblich ein Brief des deutschen Finanzministers an seine Frau ist.

AfD: Klaus Esser sollte nicht mehr nicht arbeitende Senior beschäftigen - AfD in der Nepotismus-Falle: Warum eine 80-Jährige im Büro eines Abgeordneten arbeitet

Die AfD gerät wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft in den eigenen Reihen erneut unter Druck. Berichten zufolge ist eine 80-jährige Frau im Büro des Landtagsabgeordneten Klaus Esser beschäftigt – was Fragen nach ihrer Eignung für die Tätigkeit aufwirft. Gleichzeitig fordert Parteichefin Alice Weidel schärfere Regeln für die Anstellung von Angehörigen in politischen Ämtern.

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Die 80-jährige Rosemarie Z. steht als Mitarbeiterin im Büro von Klaus Esser in den Personalakten. Ihr Ehemann, Werner Z., soll Teil eines informellen Netzwerks um Esser sein, wobei seine eigene Position angeblich über die Anstellung seiner Frau abgesichert wurde. Beobachter berichten, Werner Z. verlasse Parteiveranstaltungen häufig früh, um seine Frau nicht allein zu Hause zu lassen. Dies nährt Zweifel an Rosemarie Z.'s tatsächlicher Arbeitsfähigkeit und der Art ihrer Aufgaben.

Esser wies die Nepotismus-Vorwürfe zurück und argumentierte, er wolle lediglich die Teilhabe älterer Menschen im Parlament fördern. Allerdings ist er derzeit von Ämtern innerhalb der AfD ausgeschlossen, da gegen ihn wegen mutmaßlicher Verstöße bei der Aufnahme neuer Mitglieder ermittelt wird. Zudem laufen gerichtliche Verfahren wegen des Verdachts gefälschter Qualifikationsnachweise in seinem Umfeld.

Das Problem beschränkt sich nicht auf diesen Einzelfall. In Baden-Württemberg etwa ist die Ehefrau des AfD-Landtagsabgeordneten Markus Frohnmaier bei einem anderen AfD-Bundestagsabgeordneten angestellt – wie im Rahmen der sogenannten Vetternwirtschafts-Affäre 2026 bekannt wurde. Bundesweit häufen sich ähnliche Fälle, in denen AfD-Politiker Familienmitglieder in ihren Büros beschäftigen. Das Ehepaar Z. lehnte auf Anfrage der Spiegel-Redaktion eine Stellungnahme ab.

Angesichts der Kritik räumte Alice Weidel ein, dass die Anstellung von Angehörigen oder engen Vertrauten in politischen Spitzenpositionen Missbrauch begünstigen könne. Sie drängt nun auf gesetzliche Reformen, um die Regeln für solche Personalentscheidungen zu verschärfen.

Die internen Streitigkeiten der AfD über Personalpraktiken bleiben weiterhin öffentlichkeitswirksam. Während Esser mit juristischen Konsequenzen konfrontiert ist und Weidel klarere Vorschriften fordert, steht die Partei im Fokus der Nepotismus-Debatte. Die Entwicklung dieser Fälle könnte die allgemeine Diskussion über Transparenz bei politischen Anstellungen prägen.