AfD: Keine Fingerhakeln für die BRD
AfD: Kein Fingerkrümmen für die BRD
Zusammenfassung Seit der Abstimmung über das Wehrdienstmodernisierungsgesetz gibt es in der AfD Streit über das Verhältnis der Partei zum Militär. Ein Bundestagsabgeordneter erhielt einen Verweis – weil er Björn Höcke kritisiert hatte.
Artikel Ein erbitterter Machtkampf ist in der AfD über die militärische Zukunft Deutschlands entbrannt. Der Streit begann nach einer Bundestagsabstimmung zur Reform der Wehrpflicht. Die Kritik eines Abgeordneten an einem führenden Parteimitglied hat nun zu disziplinarischen Maßnahmen geführt.
Im Mittelpunkt des Konflikts steht Björn Höcke, eine prägende Figur des rechtsextremen Flügels der Partei. Seine Äußerungen zur Verteidigungswürdigkeit Deutschlands spalten die Reihen und legen tiefe ideologische Gräben offen.
Der Disput eskalierte während einer Debatte am 5. Dezember 2025 zur Wehrreform. Rüdiger Lucassen, AfD-Bundestagsabgeordneter, wies Höcke öffentlich zurecht, nachdem dieser erklärt hatte, Deutschland sei „nicht mehr wert, dafür zu kämpfen“. Lucassen, ein Befürworter der Wehrpflicht, warf Höcke vor, den Ruf der Bundeswehr zu beschädigen.
Höcke reagierte wütend und beteuerte, er werde „für das Fortbestehen Deutschlands kämpfen und sterben“ – allerdings nicht für die „heutige Bundesrepublik“. Seine Unterscheidung zwischen Staat und deutschem Volk spiegelt eine Haltung wider, die unter Vertretern der Neuen Rechten verbreitet ist: Sie lehnen demokratische Institutionen ab, beanspruchen aber gleichzeitig nationale Loyalität. Der Konflikt hat nun formale Konsequenzen. Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel leiteten ein Parteiverfahren gegen Lucassen ein, der für seine offene Kritik einen offiziellen Verweis erhielt. Die Spannungen in der Partei vertiefen sich damit weiter.
Hinter den Kulissen bleibt die AfD gespalten. Eine Gruppe um Lucassen und Gerold Otten setzt sich für eine starke, traditionelle Bundeswehr ein und lehnt sogenannte „woke“-Militärreformen ab. Eine andere Strömung, verbunden mit dem Verleger Götz Kubitschek, unterstützt zwar ebenfalls die Wehrpflicht, hält Armee und Gesellschaft jedoch für nicht mehr reformierbar. Die geschlossene Ablehnung des Modernisierungsgesetzes durch die AfD-Fraktion verärgerte zudem ehemalige Soldaten, die sich von der Partei Unterstützung in Verteidigungsthemen erhofft hatten. Die Abstimmung unterstrich die Kluft zwischen nationalistischem Pathos und tatsächlicher Politik der AfD.
Der interne Streit gefährdet nun die Glaubwürdigkeit der Partei in Sicherheitspolitik. Der Verweis gegen Lucassen signalisiert eine härtere Gangart gegen abweichende Meinungen. Gleichzeitig zeigt die Debatte über Wehrpflicht und nationale Identität, wie tief die Risse zwischen konservativen und völkisch-nationalistischen Kräften sind. Die disziplinarische Maßnahme gegen Lucassen setzt ein Beispiel dafür, wie die AfD künftig mit innerparteilicher Kritik umgeht. Angesichts der wachsenden Aufmerksamkeit für ihre Haltung zum Militär sind weitere Konflikte absehbar.






