"After Beuys" - Eine Hommage
"Nach Beuys" – Eine Hommage
Die Werkstatt-Reihe „After Beuys“ in der Galerie Eigen+Art wurde als „Gegenentwurf“ zum Versuch verstanden, Beuys von der „Last des erweiterten Kunstbegriffs“ zu befreien.
6. September 2012
1988 richtete die DDR ihre erste und einzige Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys aus – obwohl der Künstler jahrelang als „unerwünschte Person“ galt. Unter dem Titel „Beuys vor Beuys“ wurde die Schau von Mitte Januar bis Mitte Mai in Berlin und Leipzig gezeigt. Sie markierte eine seltene kulturelle Öffnung des SED-Staates gegenüber dem umstrittenen Künstler.
Die Idee zur Ausstellung entstand ursprünglich in Nordrhein-Westfalen, wo das Konzept entwickelt wurde. Der Kurator Christoph Tannert passte es später für die DDR an und führte Verhandlungen über die Übernahme. Die finale Präsentation umfasste 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten, die zwischen 1946 und 1966 entstanden waren.
Selbst nach Beuys’ Tod 1986 blieb sein Einfluss spürbar. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, schrieb an das ZK der SED, man könne Beuys „auf Dauer einfach nicht ignorieren“. Diese Einsicht ebnete den Weg für die Ausstellung. Eröffnet wurde sie zunächst im Berliner Marstall, bevor sie an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst weiterzog. Allerdings vermieden die Organisatoren bewusst jede Erwähnung von Beuys als gesellschaftlich engagiertem Künstler oder Demokraten. Der Fokus lag streng auf seinen frühen Werken – sein politisches Erbe wurde ausgeklammert.
Vier Monate lang war „Beuys vor Beuys“ in zwei DDR-Städten zu sehen. Die Schau bot einen begrenzten, aber beispiellosen Einblick in das Werk eines Künstlers, den der Staat lange abgelehnt hatte. Das Ereignis spiegelte eine vorsichtige kulturelle Lockerung wider, blendete jedoch zentrale Aspekte von Beuys’ öffentlichem und politischem Wirken aus.






