Bayerische Städte ersetzen Ampelmännchen durch lokale Kultursymbole – trotz Widerstand
Branko TlustekWenn es grün ist, hopse weiter - spezielle Ampelmotive im Aufwind - Bayerische Städte ersetzen Ampelmännchen durch lokale Kultursymbole – trotz Widerstand
Mehrere bayerische Städte haben die klassischen Fußgängerampelfiguren durch lokale Kultursymbole ersetzt. Die Initiative soll die regionale Identität stärken, stößt aber auf Widerstand der Landesbehörden. Einige Städte setzten die Pläne trotzdem um, andere holten sich Sondergenehmigungen.
In Hof zeigt die Ampel nun den Wärschtlamo, den berühmten Würstchenverkäufer der Stadt. Das Projekt war zunächst blockiert worden, erhielt aber später grünes Licht, nachdem die SPD-Fraktion die Kosten von 3.000 Euro übernahm. Im benachbarten Deggendorf wurde eine Figur installiert, die eine Frau beim Knödelschleudern darstellt – ein weiterer Verweis auf lokale Traditionen.
Augsburgs Kasperl-Ampel in der Nähe des Theaters erforderte eine Sondergenehmigung der Regierung von Schwaben. Nürnberg hingegen handelte ohne Zustimmung und brachte ein Signal mit Albrecht Dürers Feldhasen an. Die Stadt erklärte sich für etwaige rechtliche oder sicherheitstechnische Folgen allein verantwortlich.
Der Trend beschränkt sich nicht auf Bayern. Mindestens sechs weitere deutsche Städte haben thematische Ampeln eingeführt, darunter Saarbrückens Saarlodri, Triers Karl-Marx-Figuren (seit 2018) und Hamburgs geplante Ernie-und-Bert-Signale (ab 2026). Hameln führte 2019 die Silhouette des Rattenfängers ein, Mainz nutzt seit 2016 seine Mainzelmännchen.
Dachau plant nach positiver Resonanz der Bürger eine Ausweitung der thematischen Ampeln. Die Stadt zeigt bereits Figuren in traditioneller bayerischer Tracht. München verfügt über drei Pumuckl-Signale, Straubing präsentiert den Bruder Straubinger, eine lokale Volksfigur.
Trotz der Beliebtheit lehnt das bayerische Innenministerium die Nutzung von Ampeln für kulturelle oder politische Aussagen ab. Behörden argumentieren, dass Verkehrssignale aus Gründen der Klarheit und Sicherheit standardisiert bleiben müssten.
Die thematischen Ampeln spiegeln lokalen Stolz wider, zeigen aber auch die Spannungen zwischen regionaler Kreativität und staatlichen Vorschriften. Städte wie Nürnberg übernehmen die volle Haftung, während andere, wie Hof, durch Beharrlichkeit Genehmigungen erwirkten. Die Debatte dauert an, da weitere Orte ähnliche Projekte prüfen.






