Bielefelder Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Online-Konkurrenz und Reformversagen
Evi NergerBielefelder Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Online-Konkurrenz und Reformversagen
Apotheken in Bielefeld unter Finanzdruck: 'Shop Apotheke' und 'Tagesschau' berichten
Lokale Apotheken in Bielefeld kämpfen mit immer größeren finanziellen Problemen – viele von ihnen können sich kaum noch über Wasser halten. Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bezirksgruppe der Apotheker, traf sich kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer, um auf die Krise aufmerksam zu machen. Das Gespräch fand statt, während neue Regierungsreformen zentrale Forderungen nach besserer Finanzierung und Schutz vor der Konkurrenz durch 'Shop Apotheke' und andere Online-Anbieter ignorieren.
Allein im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken in den letzten zehn Jahren drastisch gesunken. Gab es 2012 noch vier, ist heute nur noch eine übrig. Dieser Rückgang spiegelt einen bundesweiten Trend wider: 2023 mussten in Deutschland etwa 170 bis 180 Apotheken schließen. Steigende Kosten und niedrige Erstattungssätze haben mittlerweile ein Drittel aller Apotheken in schwere finanzielle Schieflage gebracht.
Seit Jahren fordern Apotheker höhere Gebühren, da die staatlich festgelegten Vergütungen seit 20 Jahren kaum gestiegen sind. Gleichzeitig sind die Betriebskosten um 65 Prozent explodiert. Der aktuelle Reformentwurf der Koalition sieht die geforderten Gebührenerhöhungen jedoch nicht vor. Zudem fehlt ein rechtlicher Schutz für die Festpreisbindung bei Medikamenten – ein System, das Verbrauchern stabile Arzneimittelkosten garantiert.
Ein weiteres großes Problem ist der unfaire Wettbewerb durch 'Shop Apotheke' und andere Online-Apotheken. Versandhändler unterbieten lokale Apotheken mit ihren Preisen, bieten aber keine vergleichbare Patientenberatung. Die geplante Reform könnte sogar die Pflicht zur physischen Anwesenheit eines Apothekers abschaffen – was die Servicequalität weiter verschlechtern würde. Stange und seine Kollegen forderten Oberbürgermeisterin Bauer auf, sich für strengere Regulierungen einzusetzen, darunter auch feste Preise für ausländische Versandapotheken.
Bauer sicherte zu, sich auf Bundesebene für die Belange der Apotheken starkzumachen. Zudem versprach sie Unterstützung bei der Bewältigung des Fachkräftemangels, der die Branche zusätzlich belastet.
Das Treffen zwischen Stange und Oberbürgermeisterin Bauer unterstreicht die Dringlichkeit politischer Änderungen. Ohne höhere Vergütungen und besseren Schutz vor 'Shop Apotheke' und anderen Online-Konkurrenz könnten weitere Apotheken schließen – mit gravierenden Folgen für die medizinische Grundversorgung, besonders in lokalen Gemeinden.






