Brandenburgs Karneval startet mit Regen, Musik und dem Kampf ums Kulturerbe
Branko TlustekRathäuser gestürmt - Fasching in Brandenburg beginnt - Brandenburgs Karneval startet mit Regen, Musik und dem Kampf ums Kulturerbe
Die Karnevalssaison in Brandenburg hat offiziell begonnen – mit bunten Feiern trotz des Wetters. Die moderne Ausprägung der Tradition, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt hat, steht mittlerweile neben den älteren Karnevalshochburgen Deutschlands. Veranstalter setzen sich zudem dafür ein, dass die einzigartigen Feste Ostdeutschlands als immaterielles Kulturerbe nationale Anerkennung finden.
In Cottbus trotzten Hunderte dem wiederkehrenden Regen, um an den lebhaften Umzügen teilzunehmen. Die Veranstaltung verband Musik, Humor und theatralische Darbietungen – ein Stil, der den ostdeutschen Karneval seit seiner Wiederbelebung vor etwa 20 Jahren prägt. Lokale Künstler wie der Musiker Klaus Weichelt halfen dabei, diesen frischen Ansatz zu formen, der sich deutlich von den jahrhundertealten Traditionen des Rheinlands unterscheidet.
Unterdessen übergab in Potsdam die neu gewählte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel während einer Feier mit rund 150 Gästen symbolisch die Schlüssel zum Rathaus. Wegen Sanierungsarbeiten fand die Veranstaltung diesmal im Babelsberger Rathaus statt – der Geist des Festes blieb jedoch lebendig.
Fred Witschel, Präsident des Berlin-Brandenburgischen Karnevalverbandes, beschrieb die Feierlichkeiten als eine Gelegenheit, Freude und Leichtigkeit zu verbreiten. Doch hinter dem Spaß steht auch eine inhaltliche Debatte: Die Karnevalsgemeinschaft diskutiert über kulturelle Aneignung, Inklusion und die Frage, wie eine respektvolle Teilhabe für alle gewährleistet werden kann.
Die Karnevalstraditionen Ostdeutschlands unterscheiden sich deutlich von denen im Rheinland, wo Städte wie Köln seit 1823 Rosenmontagszüge veranstalten und ein Dreigestirn (ein symbolisches Triumvirat) krönen. Auch die süddeutschen Fastnachts-Bräuche mit ihren mittelalterlichen Rollenumkehrungen und prunkvollen Umzügen kontrastieren mit den jüngeren, künstlerisch geprägten Festen der Region.
Die Karnevalssaison in Brandenburg ist mit Musik, Diskussionen und dem Streben nach Kulturerbe-Status gestartet. Während die Feiern in Ostdeutschland wachsen, bieten sie eine moderne Interpretation einer Tradition, die anderswo auf jahrhundertealte Wurzeln zurückblickt. Die Debatten über Inklusion und Respekt werden wohl mitbestimmen, wie sich die Feste in den kommenden Jahren weiterentwickeln.






