Das rätselhafte Tölzer Zauberbuch: Wie ein Mystiker 1704 spurlos verschwand
Branko TlustekDas rätselhafte Tölzer Zauberbuch: Wie ein Mystiker 1704 spurlos verschwand
Dr. Christoph Bachmann, Leiter des Münchner Staatsarchivs, hat sich jahrelang mit der NS-Zeit, juristischen Akten und Agrargeschichte beschäftigt. Doch seine Neugier reicht noch weiter – besonders dann, wenn es um ungelöste Kriminalfälle mit rätselhaftem Touch geht. Ein solcher Fall rankt sich um ein jahrhundertealtes Manuskript, das als Tölzer Zauberbuch bekannt ist.
Das Münchner Staatsarchiv bewahrt über 55 Kilometer historisches Schriftgut auf, sorgfältig konserviert für die Öffentlichkeit. Doch eine Geschichte hat Bachmann besonders fasziniert: die Legende des Mathias Stormberger, eines bayerischen Mystikers und angeblichen Wunderheilers aus Lenggries.
Im Jahr 1704 wurde Stormberger – auch Stormer oder Stormmayer genannt – unter ungeklärten Umständen inhaftiert. Der Überlieferung nach entkam er mithilfe eines Zauberbuchs. Das Manuskript, heute als Tölzer Zauberbuch bezeichnet, bleibt bis heute ein Rätsel. Bachmann hat sich kürzlich in einem Fachartikel für die Nachrichten aus den Staatsarchiven mit dem Fall beschäftigt. Unter dem Titel „Ein Tölzer Zauberbuch?“ untersucht er die überlieferten Akten und die verschwimmende Grenze zwischen Geschichte und Mythos. Das Dokument selbst, falls es je existierte, wurde nie gefunden – die Geschichte von Stormbergers Flucht bleibt damit ungeklärt.
Der Fall fesselt weiterhin Forscher, da er Kriminalgeschichte mit Volksglauben verbindet. Bachmanns Analyse zeigt, wie sich solche Legenden selbst in offiziellen Archiven halten. Doch ohne das Buch selbst bleibt die Wahrheit hinter Stormbergers Flucht – und den Zaubersprüchen, die er möglicherweise nutzte – für immer im Dunkeln.






