18 February 2026, 10:30

Dringende Facharztüberweisungen: Warum Patienten in Deutschland länger warten als je zuvor

Ein detaillierter alter Stadtplan von Würzburg, Deutschland, mit Straßen, Gebäuden, Sehenswürdigkeiten und einer roten Linie, die hindurchführt, sowie Texten, die Informationen über die Bevölkerung, Straßen und Sehenswürdigkeiten liefern.

Dringende Facharztüberweisungen: Warum Patienten in Deutschland länger warten als je zuvor

Deutschlands System für dringende Facharztüberweisungen steht zunehmend in der Kritik. Ein Bericht des Bundesrechnungshofs zeigt, dass die Wartezeiten trotz höherer Kosten gestiegen sind. Ärzte und Krankenkassen fordern nun grundlegende Änderungen der Regelungen.

Das aktuelle Überweisungssystem wurde 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeführt, um lange Wartezeiten auf Facharzttermine zu verkürzen. Doch die durchschnittliche Wartezeit stieg von 33 Tagen im Jahr 2019 auf 42 Tage im Jahr 2024. Besonders betroffen sind ländliche Regionen mit weniger Fachärzten pro Patient – in Brandenburg kommen auf 100.000 Einwohner 237 Fachärzte, in Hamburg sind es 124.

Hausärzte berichten von wachsendem Druck, Überweisungen als dringend zu kennzeichnen – selbst wenn es medizinisch nicht gerechtfertigt ist. Über 200 Ärzte in Nordrhein-Westfalen werfen Fachärzten vor, Dringlichkeitsstufen zu nutzen, um höhere Gebühren abrechnen zu können. Bundesweit geben rund 750 Hausärzte an, dass einige Fachärzte unberechtigte Dringlichkeitsüberweisungen einfordern. Gleichzeitig kritisieren der Bundesrechnungshof und der GK-Spitzenverband, dass das System zusätzliche Kosten verursacht, ohne den Zugang zu Fachärzten zu verbessern.

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Viele Hausärzte sehen zwar Vorteile für wirklich dringende Fälle, verweisen aber auf ein finanzielles Ungleichgewicht: Fachärzte verdienen an Dringlichkeitsüberweisungen mehr. Einige Fachärzte geben offen zu, die Dringlichkeitscodes zur Gewinnmaximierung auszunutzen. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) verteidigt das System und betont, dass Überweisungen medizinisch begründet sein müssten – räumt jedoch ein, dass sie keine zusätzlichen Termine schaffen.

Der Bundesrechnungshof und der GK-Spitzenverband drängen nun auf eine Abschaffung der aktuellen Überweisungsregeln. Die Hausärzte bleiben zwischen Patientenerwartungen und finanziellen Zwängen gefangen. Angesichts weiter steigender Wartezeiten hält die Debatte über einen fairen und effizienteren Zugang zur Facharztversorgung an.