Falsche Behauptungen: Wie ein manipuliertes Diagramm Migration mit sexualisierter Gewalt verknüpft
Evi NergerFalsche Behauptungen: Wie ein manipuliertes Diagramm Migration mit sexualisierter Gewalt verknüpft
Ein irreführendes Diagramm, das von rechtsextremen Politikern und einem österreichischen Desinformationsportal verbreitet wurde, stellt fälschlicherweise einen Zusammenhang zwischen Migration und einem Anstieg von sexualisierter Gewalt in Deutschland her. Die zugrundeliegenden Daten, die ursprünglich im August 2023 von T-Online veröffentlicht wurden, belegen jedoch keinen solchen Zusammenhang – stattdessen geht der Anstieg vor allem auf Fälle von sexueller Belästigung und die Verbreitung von Kindesmissbrauchsabbildungen zurück.
Das Diagramm wurde unter anderem von den AfD-Abgeordneten Maximilian Krah und Maximilian Kneller sowie von Florian Machl, dem Chefredakteur des bekannten Desinformationsportals Report24, geteilt.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), auf der das Diagramm basiert, zeigt, dass der Großteil der Tatverdächtigen in Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Zudem wird ein durchgängiger Trend deutlich: Männliche Tatverdächtige überwiegen jedes Jahr bei Weitem gegenüber weiblichen. Die PKS erfasst jedoch weder die Nationalität noch den Aufenthaltsstatus der Verdächtigen und berücksichtigt auch nicht die Dunkelfeldkriminalität.
Mitte Oktober räumte Bundeskanzler Friedrich Merz migrationsbedingte Herausforderungen in deutschen Städten ein. Die Statistiken selbst liefern jedoch keine Belege für einen Zusammenhang zwischen Migration und dem Anstieg sexualisierter Straftaten seit 2015. Die vorliegenden Zahlen geben nicht einmal an, wie viele der Tatverdächtigen in diesem Zeitraum einen Migrationshintergrund hatten. Trotzdem wurde das Diagramm genutzt, um einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Migration und steigender sexualisierter Gewalt zu suggerieren. Der ursprüngliche T-Online-Artikel stellte eine solche Behauptung nicht auf, sondern führte den Anstieg auf gesellschaftliche Probleme wie Belästigung und die Ausbeutung von Kindern im Internet zurück.
Die Verbreitung des Diagramms hat unbegründete Behauptungen über Migration und Kriminalität weiter angeheizt. Offizielle Daten belegen nicht, dass Migranten für den Anstieg sexualisierter Straftaten verantwortlich sind. Zudem bleiben die PKS-Zahlen unvollständig, da sie das Dunkelfeld ausklammern und keine Angaben zu den Hintergründen der Tatverdächtigen enthalten.






