Kölner Karneval meidet Putin-Spott – und überlässt ihn Düsseldorf
Klaudia GnatzKölner Karnevalisten verteidigen das Fehlen eines Putin-Wagens - Kölner Karneval meidet Putin-Spott – und überlässt ihn Düsseldorf
Kölner Karneval verzichtet in diesem Jahr auf Wagen mit Spott über Russlands Präsidenten Putin
Die Organisatoren des Kölner Rosenmontagszugs werden in diesem Jahr keinen Motivwagen mit einer Karikatur des russischen Präsidenten Wladimir Putin zeigen. Stattdessen überlassen sie das brisante Thema dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly. Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem russische Behörden gegen Tilly wegen seiner früheren satirischen Kreationen strafrechtlich vorgehen.
Der Kölner Zugleiter Marc Michelske bestätigte, dass der diesjährige Rosenmontagszug auf das Putin-Thema verzichten werde. Er begründete dies damit, dass Tilly – bekannt für seine politisch provokanten Wagen – besser geeignet sei, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Unterstützung erhielt die Entscheidung von Christoph Kuckelkorn, dem Präsidenten des Festkomitees Kölner Karneval.
Stattdessen wird der Kölner Umzug in diesem Jahr Wagen mit Spott über andere Persönlichkeiten zeigen, darunter der ehemalige US-Präsident Donald Trump sowie innerdeutsche politische Streitfragen. Unterdessen wird Tillys Düsseldorfer Wagen erneut Putin ins Visier nehmen – eine Tradition, die bis ins Jahr 2009 zurückreicht.
Die russischen Behörden reagieren seit Langem scharf auf Tillys Arbeiten. Ende 2025 leitete ein Moskauer Gericht ein Strafverfahren gegen ihn ein, und zwar wegen "Verleumdung staatlicher Organe" und der "Verbreitung falscher Informationen über die Armee". Die Vorwürfe beziehen sich auf frühere Wagen, die Putin darstellten; im Falle einer Verurteilung drohen hohe Geldstrafen oder Haftstrafen von bis zu zehn Jahren. Eine für Dezember 2025 anberaumte Verhandlung wurde auf den 26. Februar 2026 vertagt.
Tilly, der zwar mit Reisebeschränkungen belegt ist, lässt sich davon nicht einschüchtern. Er wies die Vorwürfe als haltlos zurück und gelobte, weiterhin provokante Wagen zu entwerfen. Sein Widerstand unterstreicht die wachsende Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und politischem Druck von ausländischen Regierungen.
Dass Köln auf einen Putin-Wagen verzichtet, lenkt die Aufmerksamkeit auf Tillys bevorstehende Kreation in Düsseldorf. Die russischen juristischen Schritte gegen ihn verdeutlichen die Risiken, denen Künstler ausgesetzt sind, die ausländische Staatschefs kritisieren. Der Prozess wird nun im Februar fortgesetzt – während Tilly trotz der drohenden Haftstrafe weiterarbeitet.






