Merz’ lockere Sprüche beim G20: Diplomatie oder Fauxpas mit Folgen?
Bundeskanzler Friedrich Merz steht erneut wegen seines ungeschönten Redestils in der Kritik. Diesmal sorgten seine Äußerungen während eines Treffens mit Brasiliens Präsident Lula beim G20-Gipfel für Diskussionen. Während Anhänger seine offene Art loben, hinterfragen Kritiker die diplomatischen Folgen.
Die Begegnung brachte auch die Debatte über politische Falschzitate wieder auf, darunter die längst widerlegte Behauptung, der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke habe einst zu Königin Elizabeth II. gesagt: "Gleich und gleich gesellt sich gern."
Auslöser war eine angebliche Bemerkung Lulas, der Merz einladen soll, Brasiliens Küche und Tanzkultur kennenzulernen. Daraufhin habe der Kanzler laut Berichten locker geantwortet: "Super, beim nächsten Mal gehen wir zusammen tanzen!"
Merz’ Team präzisierte später, die beiden Politiker hätten ein 40-minütiges, als herzlich und konstruktiv beschriebenes Gespräch geführt. Dennoch zog die beiläufige Bemerkung schnell Aufmerksamkeit auf sich – ein Muster, das Merz’ politische Laufbahn prägt. Journalisten, die ihn verteidigen, betonen, sein spontaner Stil bringe Authentizität in die Politik. Kritiker hingegen verweisen darauf, dass solche unvorbereiteten Äußerungen oft für Kontroversen sorgen.
Die Diskussion erinnert an frühere Debatten über diplomatische Sprache, etwa an Barack Obamas sorgfältig formulierte Rede 2011 vor dem britischen Parlament, die Klischees mied, ohne an Würde einzubüßen. Zudem wurde erneut die alte Legende von Lübkes angeblichem Fauxpas bei Königin Elizabeth II. aufgegriffen. Tatsächlich handelte es sich bei dem Satz "Gleich und gleich gesellt sich gern" um eine erfundene Anekdote des Spiegel-Korrespondenten Ernst Goyke – Lübke hat sie nie gesagt. Die Geschichte, obwohl falsch, bleibt eine Mahnung, wie politische Äußerungen verzerrt werden können.
Merz’ jüngster sprachlicher Ausrutscher setzt eine Reihe von Aussagen fort, die die öffentliche Meinung spalten. Während sein Team die freundliche Atmosphäre des G20-Gesprächs betont, zieht er mit seinen Worten oft Kritik auf sich. Gleichzeitig zeigt der Vorfall erneut, wie politische Sprache – ob real oder erfunden – das Bild von Führung prägt.






