Offener Brief: 1.100 Kulturschaffende wehren sich gegen politische Einflussnahme an Universitäten
Evi NergerOffener Brief warnt vor politischem Druck auf Universitäten - Offener Brief: 1.100 Kulturschaffende wehren sich gegen politische Einflussnahme an Universitäten
Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende unterzeichnen offenen Brief gegen politische Einmischung in deutsche Universitäten und Kultureinrichtungen
Die Stellungnahme erfolgt vor dem Hintergrund des anhaltenden Streits an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Rektorin Donatella Fioretti wegen einer Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif in der Kritik steht.
Auslöser der Kontroverse war eine Einladung an al-Sharif im Januar 2026, an der Akademie zu sprechen. Vorwürfe des Antisemitismus führten zu Forderungen nach Absage ihres Auftritts, während eine separate Petition Fiorettis Rücktritt verlangte. Nach einer rechtlichen Prüfung wurden al-Sharifs Äußerungen als nicht strafrechtlich relevant eingestuft und durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Die Veranstaltung fand schließlich unter verschärften Sicherheitsauflagen statt.
Zu den Unterzeichner:innen des Briefs zählen der Fotograf Wolfgang Tillmans sowie die Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser. Sie warnen, die aktuelle Debatte gefährde verfassungsmäßige Freiheitsrechte. Kritisiert wird insbesondere eine in der Wissenschaftskommission des nordrhein-westfälischen Landtags verwendete Metapher, die grundlegende Rechte pauschal unter Generalverdacht stelle. Zudem bekunden die Unterzeichner:innen ihre Solidarität mit Fioretti, die am Mittwoch vor einem Sonderausschuss des Landtags aussagen wird.
Die Gruppe verweist auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der künstlerische, wissenschaftliche und Lehrfreiheit schützt – selbst bei umstrittenen Positionen. Sie warnen, der Fall könnte einen gefährlichen Präzedenzfall für politische Einflussnahme auf die Autonomie von Wissenschaft und Kultur schaffen.
Fiorettis Anhörung vor den Abgeordneten steht in dieser Woche an. Die Initiator:innen des Briefs fordern Politiker:innen auf, sich klar zu den verfassungsmäßigen Schutzrechten gegen Zensur zu bekennen. Bisher gibt es keine vergleichbaren Konflikte an anderen deutschen Einrichtungen, sodass der Düsseldorfer Fall im Zentrum der Diskussion bleibt.






