Rita Süssmuths Vermächtnis: Eine Kämpferin für Gesundheit und Gleichberechtigung
Branko TlustekRita Süssmuths Vermächtnis: Eine Kämpferin für Gesundheit und Gleichberechtigung
Rita Süssmuth, eine wegweisende Politikerin und überzeugte Katholikin, ist am 1. Februar 2023 in Neuss am Rhein nach langer Krankheit verstorben. 1937 in Wuppertal geboren, stieg sie von einer akademischen Laufbahn in der Erziehungswissenschaft zu einer der einflussreichsten Stimmen für sozialen Wandel im öffentlichen Dienst in Deutschland auf und hinterließ bleibende Spuren in der öffentlichen Gesundheitspolitik und der Gleichstellung der Geschlechter.
Ihren politischen Werdegang begann Süssmuth 1981 mit dem Eintritt in die CDU. Ihr Handeln war stets von ihrem katholischen Glauben geprägt – ihren Bundestagseid in Bonn leistete sie mit den Worten So wahr mir Gott helfe. Ihr Aufstieg in der Partei wurde von Heiner Geißler gefördert, einem reformorientierten Modernisierer, der ihr Potenzial früh erkannte.
Als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit ab 1985 lehnte sie die konservative geistig-moralische Wende ab und setzte stattdessen auf die Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien. Sie bekämpfte die strukturelle Benachteiligung von Frauen und trieb Politiken voran, die tief verwurzelte Ungerechtigkeiten abbauten.
Während der AIDS-Krise wurde Süssmuth zu einer prägenden Figur der öffentlichen Gesundheit. 1987 initiierte sie das Sofortprogramm zur Bekämpfung von AIDS, eine bahnbrechende Kampagne, zu der auch die legendäre Aktion Gib AIDS keine Chance gehörte. Millionen flossen in TV-Spots, Plakate und Druckerzeugnisse, um sicheren Sex zu fördern und den Einsatz von Kondomen zu enttabuisieren. Sie vereinte Ärzte, Wissenschaftler – darunter Meinrad Koch vom Robert Koch-Institut –, AIDS-Aktivisten und Kulturschaffende, um Zwangstests und Ausgrenzung zu bekämpfen. Ein Jahr später gründete sie das AIDS-Zentrum beim Bundesgesundheitsamt und stärkte so Diagnostik und Forschung.
1988 wurde sie zur Bundestagspräsidentin gewählt, ein Amt, das sie ein Jahrzehnt lang innehatte. Ihre Amtszeit war geprägt von offener Dialogbereitschaft, evidenzbasierter Politik und Mitgefühl – Werte, die ihr Erbe prägen.
Süssmuths Wirken umfasste Bildung, Gesundheitsreformen und parlamentarische Führung. Ihre Arbeit veränderte Deutschlands Umgang mit öffentlicher Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und sozialer Teilhabe nachhaltig. Die von ihr vorangetriebenen Initiativen – von der AIDS-Aufklärung bis zur Familienförderung – wirken bis heute nach.






