08 February 2026, 04:27

Salzgitter übernimmt HKM – und Thyssenkrupp zieht sich strategisch zurück

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Fabrikszene in der Cadillac Steel Works, das Arbeiter bei der Bedienung einer großen Maschine zeigt, umgeben von Leitern und Stangen.

Salzgitter übernimmt HKM – und Thyssenkrupp zieht sich strategisch zurück

Salzgitter schließt Übernahme von HKM ab – und beendet monatelange Marktspekulationen

Die Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) durch Salzgitter ist nun vollzogen und setzt damit einem monatelangen Rätselraten der Anleger ein Ende. Die Reaktionen auf den Deal fallen gemischt aus: Während einige Investoren den Schritt als strategisch klug loben, stellen andere den Zeitpunkt infrage. Gleichzeitig markiert der Verkauf des HKM-Anteils durch Thyssenkrupp einen Kurswechsel des Konzerns, der sich nun auf die Restrukturierung seiner Kerngeschäfte konzentriert.

Die Transaktion verändert die deutsche Stahlbranche grundlegend – beide Unternehmen steuern nun mit unterschiedlichen Ansätzen auf Nachhaltigkeit und Profitabilität zu.

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Thyssenkrupps Ausstieg bei HKM ist Teil eines umfassenderen Plans zur Straffung des Geschäfts. Durch den Abbau nicht zum Kerngeschäft gehörender Beteiligungen will der Konzern Ressourcen für ertragreichere Sparten freimachen oder seine angeschlagene Stahlproduktion stärken. Diese Zerschlagungsstrategie steht im scharfen Kontrast zu Salzgitters Expansionskurs, der auf den Ausbau der Stahlproduktion und die Sicherung von Lieferketten für die grüne Wende setzt.

Mit der Übernahme des Duisburger Werks festigt Salzgitter seine Position in der klimaneutralen Stahlherstellung. Das bereits im Bau befindliche SALCOS-Projekt des Unternehmens zählt zu den fortschrittlichsten Dekarbonisierungsvorhaben Europas. Dank klar definierter Prozesse und konkreter Zeitpläne scheint Salzgitter besser aufgestellt als Thyssenkrupp, das auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion bis 2045 mit Finanzierungsengpässen und internen Umstrukturierungen kämpft.

Das Vertrauen der Anleger in Salzgitter bleibt ungebrochen – die Aktie notiert nahe ihrem Rekordhoch. Die Strategie von Vorstandschef Gunnar Groebler findet Zustimmung, auch wenn das Unternehmen mit den extremen Konjunkturschwankungen der Stahlbranche konfrontiert ist: Ein Abschwung könnte abrupt und hart zuschlagen. Thyssenkrupp hingegen setzt auf Diversifizierung und ist über Tochtergesellschaften in den Bereichen U-Boote, Automobilzulieferung und Wasserstofftechnologie aufgestellt. Besonders die Tochter Nucera, ein führender Anbieter von Elektrolyseanlagen für grünen Stahl, verschafft dem Konzern hier einen entscheidenden Vorteil.

Die Marktreaktionen sind aufschlussreich: Die Marktkapitalisierung von Thyssenkrupp kletterte Anfang Februar 2026 auf rund 7,0 bis 7,2 Milliarden Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Tiefstand von 2,08 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Dennoch bleibt die Volatilität hoch, belastet durch Prognosen eines netto dreistelligen Millionenverlusts, der auf den Aktienkurs drückt.

Der HKM-Deal hat zwar Unsicherheiten vom Markt genommen, doch beide Unternehmen stehen nun vor ganz eigenen Herausforderungen. Salzgitters Fokus auf grünen Stahl und Lieferkettenkontrolle könnte langfristig für Stabilität sorgen – auch wenn die zyklischen Risiken der Branche bestehen bleiben. Thyssenkrupp muss unterdessen die Restrukturierung und finanzielle Belastungen meistern, um seine Klimaziele bis 2045 zu erreichen. Die gegensätzlichen Strategien werden ihre Zukunft in einer sich wandelnden Industrielandschaft prägen.