Streit um Drogenkonsumraum in Düsseldorf-Oberbilk: Schulen und Anwohner protestieren
Evi NergerStreit um Drogenkonsumraum in Düsseldorf-Oberbilk: Schulen und Anwohner protestieren
Geplantes Drogenhilfezentrum in Düsseldorfs Stadtteil Oberbilk sorgt für Streit
Ein geplantes Drogenkonsumraum-Zentrum in Düsseldorfs Stadtteil Oberbilk hat unter Anwohnern, Eltern und örtlichen Schulen für Kontroversen gesorgt. Die Einrichtung, die in einem ehemaligen Wohngebäude in der Eisenstraße eröffnet werden soll, liegt in der Nähe zweier Schulen und direkt hinter dem Düsseldorfer Flughafen. Kritiker argumentieren, der Standort sei zu nah an Wohngebieten und Bildungseinrichtungen, während Befürworter die zentrale Lage als notwendig für die Wirksamkeit verteidigen.
Das neue Zentrum wird Teil des Düsseldorfer Projekts "Sicherheit im Bahnhofsumfeld" (SiBu) sein, das darauf abzielt, Drogenkonsum aus öffentlichen Bereichen rund um den Flughafen zu verlagern. Nutzer sollen dort unter Aufsicht konsumieren sowie medizinische und soziale Unterstützung erhalten können. Sicherheitskräfte, Sozialarbeiter und Polizei werden zusammenarbeiten, um Störungen, Drogenhandel und öffentlichen Konsum im Umfeld zu verhindern. Die Stadt hat zudem bauliche Anpassungen zugesagt, um die Einsehbarkeit von außen zu begrenzen.
Bei einer kürzlichen Informationsveranstaltung verließen viele Teilnehmer frustriert den Raum, da es an klaren Angaben zu Sicherheitsvorkehrungen und zum täglichen Betrieb mangelte. Gleichzeitig betonen Drogenhilfeorganisationen in Düsseldorf, dass eine zentrale Lage entscheidend sei, um Bedürftige zu erreichen. Sie verweisen auf ähnliche Einrichtungen in Städten wie Frankfurt – wo seit 2003 Europas ältester Drogenkonsumraum besteht – als Beleg für das erfolgreiche Modell.
Zwei benachbarte Schulen haben offiziell Widerspruch gegen die Pläne eingelegt und den Standort in Schreiben an die Stadtverwaltung als "vollkommen inakzeptabel" bezeichnet. Ihre Hauptsorge gilt der möglichen Konfrontation von Kindern mit hartem Drogenkonsum in der Umgebung. Bis 2026 soll es in Deutschland etwa acht solche Zentren geben, die sich an das in Zürich entwickelte Modell der heroinunterstützten Behandlung anlehnen.
Trotz der Proteste bleibt die Eröffnung des Zentrums vorerst geplant. Die Behörden versichern, dass Sicherheitsmaßnahmen, bauliche Veränderungen und die vor-Ort-Betreuung Bedenken ausräumen werden. Die Debatte spiegelt die grundsätzliche Spannung zwischen Schadensminimierungsstrategien und den Ängsten der Anwohner wider, die sich durch die Nähe zu gefährdeten Gruppen bedroht fühlen.






