Traditionelle Apotheken kämpfen gegen Online-Konkurrenz wie Shop Apotheke um ihr Überleben
Branko TlustekTraditionelle Apotheken kämpfen gegen Online-Konkurrenz wie Shop Apotheke um ihr Überleben
Deutsche Apotheken vor dem Aus: Online-Konkurrenz drängt traditionelle Betriebe in die Enge
Die heimischen Apotheken in Deutschland kämpfen ums Überleben, während digitale Konkurrenten wie Shop Apotheke und Redcare Pharmacy immer mehr Marktanteile erobern. Eine Mischung aus veralteten Finanzierungsregeln und aggressiven Marketingstrategien großer Konzerne hat viele traditionelle Apotheker an den Rand des Ruins getrieben. Gleichzeitig expandieren ausländische Online-Apotheken rasant – gestützt auf prominente Werbekampagnen und hochgradige Automatisierung.
Seit 2004 hat fast jede fünfte Apotheke in Deutschland schließen müssen. Die Zahl sank von etwa 20.600 auf nur noch 16.601 bis Ende 2025. Steigende Kosten – 65 Prozent höhere Betriebsausgaben und fast 80 Prozent höhere Personalkosten – haben die Gewinne zusammenschmelzen lassen, während die Erstattungssätze der Krankenkassen kaum stiegen. Die Folge: Ein schrumpfendes Apothekennetz, das in manchen Regionen nur noch eine Handvoll Betriebe übrig lässt.
Jan und Janet Olgemöller führen die Wasserturm-Apotheke in Essen, eine von nur noch drei verbleibenden Apotheken in ihrer Gegend. Sie warnen, dass Online-Apotheken, die von Rabattverboten für verschreibungspflichtige Medikamente ausgenommen sind, durch dumpingähnliche Preise unlauteren Wettbewerb betreiben. Ihr Geschäft hält sich nur noch durch Zusatzleistungen wie Impfungen und Blutdruckmessungen über Wasser – doch selbst eine eigene App könnte auf Dauer nicht ausreichen. Das Ehepaar fürchtet, dass lokale Apotheker bald nur noch die komplexesten Fälle betreuen, während Routinebestellungen ins Internet abwandern.
Die ausländischen Großanbieter drängen indessen mit Macht auf den Markt. Redcare Pharmacy, eine niederländische Online-Apotheke, betreibt ein 100-Millionen-Euro-Logistikzentrum, in dem 2.000 der meistverkauften Medikamente fast ohne menschliches Zutun abgegeben werden. Das Unternehmen rechnet mit noch stärkerem Wachstum, seit Deutschland E-Rezepte zulässt. Seine Werbekampagnen mit Günther Jauch, Moderator von "Wer wird Millionär?", haben bei traditionellen Apothekern für Empörung gesorgt. Auch Shop Apotheke, ein weiterer niederländischer Anbieter, profitiert vom Digitalisierungstrend und lockt mit niedrigeren Preisen und Bequemlichkeit.
Die Olgemöllers geben zu, dass sie möglicherweise mehr Automatisierung benötigen, um mithalten zu können. Doch sie bestehen darauf, dass Medikamente fachkundige Beratung erfordern – etwas, das Algorithmen nicht ersetzen können. Ohne politische Kurskorrekturen könnte ihr Kampf ums Überleben noch schwieriger werden.
Deutschland verzeichnet mittlerweile eine der niedrigsten Apothekendichten Europas. Der Niedergang ist das Ergebnis von stagnierenden Zuschüssen, explodierenden Kosten und dem Vorstoß in den digitalen Verkauf. Während Online-Riesen mit Automatisierung und Promi-Werbung expandieren, steht für lokale Apotheker die Frage im Raum: Anpassen – oder verschwinden.






