Verbotene Chemikalien in Nivea und Schwarzkopf: Wie gefährliche Kosmetik uns erreicht
Branko TlustekVerbotene Chemikalien in Nivea und Schwarzkopf: Wie gefährliche Kosmetik uns erreicht
Verbotene Inhaltsstoffe in Kosmetik: Trotz EU-Weiternutzung in bekannten Marken
Verbotene kosmetische Inhaltsstoffe tauchen weiterhin in Produkten auf, die in ganz Europa verkauft werden. Investigativjournalisten des Recherchezentrums CORRECTIV entdeckten kürzlich drei Artikel, die Lilial (BMHCA) enthalten – einen Duftstoff, der mit Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht wird und seit 2020 in der EU verboten ist. Darunter befanden sich Produkte bekannter Marken wie Nivea und Schwarzkopf, was Fragen nach Vollzugslücken auf dem Markt aufwirft.
Eine Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel, die im März 2023 gekauft wurde, enthielt trotz des seit über vier Jahren geltenden Verbots noch immer Lilial. CORRECTIV fand den verbotenen Stoff zudem in Nivea-Rasiercreme, die über Amazon erworben worden war. Die Funde zeigen, dass selbst bei etablierten Herstellern weiterhin Risiken bestehen.
Das EU-Schnellwarnsystem Safety Gate weist zwar auf gefährliche Produkte hin, doch die Behörden können nur einen Bruchteil der derzeit 600.000 erhältlichen Kosmetikartikel überprüfen. Seit 2012 wurden über 4.000 Produkte wegen gesundheitlicher Risiken zurückgerufen – darunter PFAS ("Ewigkeitschemikalien") und Hydrochinon, ein wahrscheinlicher Krebserreger, der in Hautaufhellungscremes verwendet wird.
2025 prüfte die Europäische Kommission mehr als 1,6 Millionen Websites und identifizierte über 20.000 illegale Produkte, viele davon auf großen Online-Plattformen gelistet. Aktuell wird in der EU diskutiert, die Übergangsregelung für den Verkauf längst verbotener Artikel zu verlängern – von 18 Monaten auf bis zu sechs Jahre.
Die Recherche offenbart anhaltende Schlupflöcher in der EU-Kosmetikverordnung. Bei 800 neuen Produkten, die täglich auf den Markt kommen, kann die Kontrolle kaum mithalten. Zwar werden schädliche Artikel weiterhin aus dem Verkehr gezogen, doch die schiere Größe des Marktes macht eine lückenlose Überwachung nahezu unmöglich.






