Von Durchgestrichen zu Gleichberechtigung - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Aneta WilmsenVon Durchgestrichen zu Gleichberechtigung - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Frauen im pastoralen Dienst haben in den letzten fünf Jahrzehnten bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Gisela Vogel, die erste Pastorin im Rheinland, brach 1967 Grenzen, als sie einen Brief mit einem durchgestrichenen „Lieber Bruder“ erhielt. Heute würdigt die Kirche die vielfältigen Beiträge von Frauen in Führungspositionen – vom Aufbau von Beziehungen bis hin zu neuen Perspektiven in der Seelsorge.
1967 wurde Gisela Vogel zur ersten Pastorin der Region. Ein an sie adressierter Brief, in dem das „Bruder“ durchgestrichen worden war, stand symbolisch für den Widerstand, auf den sie stieß. 1975 sicherte die Evangelische Kirche im Rheinland Frauen dann rechtlich die Gleichberechtigung in pastoralen Ämtern zu.
Während des Zweiten Weltkriegs hatten Frauen vorübergehend pastorale Aufgaben übernommen. Doch nach Rückkehr der Männer wurden sie wieder in unterstützende Rollen gedrängt. Vogel schrieb später erneut Geschichte, als sie als erste Oberkirchenrätin in ein Gremium aus zwanzig Männern berufen wurde. Jahrzehnte später traf auch Dr. Ilka Werner, heute Superintendentin des Kirchenkreises Solingen, noch auf Skepsis, ob Frauen Gemeinden leiten oder Theologie unterrichten könnten. Sie begann ihr Studium in den 1990er-Jahren, einer Zeit, in der Gleichberechtigung zwar akzeptierter, aber noch nicht vollständig gelebt wurde. Raphaela Demski-Galla, die 2006 ihr Theologiestudium aufnahm, erlebte eine offenere Kirche – doch betonte auch sie, dass die Vereinbarkeit von Familie und Amt nach wie vor eine Herausforderung bleibt. Heute sind die Hälfte der 26 Pastor:innen in Solingen Frauen, ein deutlicher Wandel in der Repräsentation. Die Kirche schätzt mittlerweile die unterschiedlichen Lebenswege, Identitäten und seelsorgerischen Ansätze, die Frauen einbringen. Demski-Galla hebt besonders die Beziehungsarbeit als zentralen Bestandteil moderner Seelsorge hervor – ein Kontrast zu den früheren Kämpfen um Anerkennung.
Von Vogels ersten Kämpfen bis zur heutigen ausgewogenen Führungskultur haben sich die Rollen von Frauen in der Kirche gewandelt. Die rechtliche Gleichstellung kam 1975, doch die kulturelle Akzeptanz brauchte länger. Heute, wo Frauen die Hälfte der Solinger Pastor:innen stellen, sind ihre Beiträge in Lehre, Leitung und Gemeindearbeit fest verankert.






