04 April 2026, 20:12

Wie die Bundeswehr 1956 trotz massiver Proteste gegründet wurde

Schwarzes und weißes Foto von Soldaten, die während des Ersten Weltkriegs die Straße in Berlin entlangmarschieren, mit Mützen und Gewehren, sowie Bäumen und Gebäuden an der Straße und einem Pfahl im Hintergrund.

Wie die Bundeswehr 1956 trotz massiver Proteste gegründet wurde

Der Weg der Bundesrepublik zur Wiederbewaffnung nach dem Zweiten Weltkrieg war von heftigen Debatten und öffentlichem Widerstand geprägt. Mitte der 1950er-Jahre trieb die Regierung trotz massiver Proteste und politischer Gegenwehr die Pläne zum Aufbau einer Armee voran. Dieser Prozess gipfelte 1956 in der Gründung der Bundeswehr – ihrem offiziellen Namen und ihrer Etablierung – sowie dem NATO-Beitritt des Landes.

Die Idee einer neuen deutschen Armee gewann erstmals 1951 an Fahrt, als ein Volksentscheid über die Wiederbewaffnung vorgeschlagen wurde. Das Innenministerium blockierte die Abstimmung zwar umgehend, doch der Widerstand blieb bestehen. 1955 flammten die Proteste erneut auf, als die Regierung konkrete Schritte zur Aufstellung einer Armee und zum NATO-Beitritt einleitete. Kritiker, darunter die SPD, organisierten sich unter dem Motto "Ohne mich!" ("Zählt mich nicht mit!") und lehnten den Gedanken ab, dass deutsche Soldaten in einer europäischen Verteidigungsstreitmacht dienen sollten.

Am 12. November 1955 überreichte Theodor Blank, damals zuständig für die Verteidigungsplanung, den ersten Offizieren und Unteroffizieren ihre Ernennungsurkunden. Der Name Bundeswehr wurde zwar erst am 1. April 1956 offiziell eingeführt, doch die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren. Im Juli desselben Jahres begann die Wehrpflicht, die ersten Freiwilligen traten im Januar zu ihren Kasernen an.

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Auch nach der Gründung der Bundeswehr hielt der Widerstand an. 1957 unterzeichneten 18 renommierte Wissenschaftler das "Göttinger Manifest", in dem sie vor einer atomaren Bewaffnung der neuen Armee warnten. Im selben Jahr fanden die ersten Ostermärsche statt – Proteste gegen die NATO-Atompolitik und eine mögliche deutsche Beteiligung an der nuklearen Teilhabe.

Behauptungen, es habe in den 1950er-Jahren eine "Paulskirchenbewegung" gegen die Wiederbewaffnung gegeben, entbehren jeder Grundlage. Die ursprüngliche Frankfurter Paulskirchenbewegung datiert auf die Revolution von 1848/49 und stand in keinem Zusammenhang mit den Nachkriegsdebatten über das Militär.

Bis 1956 war die Bundesrepublik der NATO beigetreten und hatte die Bundeswehr aufgestellt – trotz jahrelanger öffentlicher Ablehnung. Die Gründung des Militärs prägte die Nachkriegsidentität des Landes neu, während Proteste wie die Ostermärsche und das "Göttinger Manifest" anhaltende Spaltungen in der Sicherheits- und Atomwaffenpolitik offenbarten.

Quelle