23 April 2026, 06:18

Wie eine Dresdner Druckerei zur Avantgarde-Schmiede der 1970er wurde

Schwarz-weißer Architektur-Zeichnung der Schlosshof-Fassade in Dresden, Deutschland, mit zahlreichen Fenstern und Statuen auf einem Papier mit handgeschriebener Text.

Wie eine Dresdner Druckerei zur Avantgarde-Schmiede der 1970er wurde

Ende der 1970er Jahre verwandelte eine Gruppe von Künstlern in Dresden eine alte Druckerei in ein kreatives Zentrum. Was als kleines Kollektiv begann, entwickelte sich bald zur Dresdner Obergraben-Presse – einem einzigartigen Ort, der Kunst, Verlagswesen und Ausstellungen vereinte. Hinter dem Projekt standen Persönlichkeiten wie Eberhard Göschel, Peter Herrmann und Jochen Lorenz, die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten einbrachten.

Die Wurzeln der Initiative reichen bis ins Jahr 1971 zurück, als A.R. Penck die Künstlergruppe Lücke mitgründete. Zur gleichen Zeit verfeinerte er seine Theorie Vom Untergrund zum Oberground, in der er untersuchte, wie underground-Kunst ein breiteres Publikum erreichen könnte. Unterdessen suchte Jochen Lorenz, der es satt hatte, routinemäßig Fahrpläne für die Staatsbahn zu drucken, nach anspruchsvolleren Projekten.

Bis 1976 hatten sich Eberhard Göschel und Peter Herrmann der Arbeitsgruppe des Leonhardi-Museums angeschlossen. Herrmann besaß eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die Bernhard Theilmann sorgfältig restaurierte. Zwei Jahre später bezog Göschel ein größeres Atelier, wodurch eine Dreizimmerwohnung für künstlerische Experimente frei wurde. Diese Ressourcen bildeten das Fundament der Dresdner Obergraben-Presse, die traditionelles Druckhandwerk mit zeitgenössischer Kunst verband.

Das Kollektiv fungierte zugleich als Künstlervereinigung, Druckwerkstatt, Verlag und Galerie. Ihre Arbeit verband underground-Kreativität mit öffentlicher Wahrnehmung und spiegelte damit Pencks frühere Ideen wider. Die Presse entwickelte sich schnell zu einem zentralen Ort der Dresdner Avantgarde-Szene.

Die Dresdner Obergraben-Presse entstand aus einer Mischung von restaurierter Ausrüstung, geteiltem Atelierraum und dem Wunsch nach mutigen Projekten. Sie bot Künstlern nicht nur Werkzeuge, sondern auch Sichtbarkeit und verwandelte eine bescheidene Wohnung in ein nachhaltiges Kulturprojekt. Ihr Erbe bleibt eng mit der Zusammenarbeit ihrer Gründungsmitglieder und ihrem Engagement für experimentelle Kunst verbunden.

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