Zwei Legenden der deutschen Kulturlandschaft sind tot
Zwei prägende Persönlichkeiten der deutschen Medien- und Kulturlandschaft sind kürzlich verstorben. Franz Josef Wagner, der langjährige Kolumnist der Bild, starb am 7. Oktober im Alter von 82 Jahren. Nur wenige Wochen zuvor verstarb Alfred Hilsberg, der legendäre Underground-Impresario aus Hamburg, mit 77 Jahren. Beide Männer hinterließen in ihren jeweiligen Bereichen unauslöschliche Spuren.
Franz Josef Wagner schrieb jahrzehntelang die Kolumne Post von Wagner für die Bild, Deutschlands auflagenstärkste Zeitung. Sein letzter Beitrag erschien am 7. September und war an den kurz zuvor heiliggesprochenen Carlo Acutis gerichtet. Wagner war für seine scharfe, oft reaktionäre Haltung bekannt und stand kulturell konservativen Persönlichkeiten wie James Last und Fips Asmussen nahe. Obwohl er bei Axel Springer Karriere machte, verhinderte sein ungeschönter Stil seinen Aufstieg in die höchsten Redaktionsetagen. Dennoch blieb sein Einfluss so groß, dass die Bild später Harald Martenstein mit der Fortführung des Formats beauftragte – unter dem Titel Mail von Martenstein.
Alfred Hilsberg hingegen prägte über Jahre die Hamburger Underground-Szene. Anders als viele in seinem Umfeld lehnte er Bier und Haschisch ab. Stattdessen bezeichnete er ausgerechnet die Bild – Wagners eigene Zeitung – als ein "bewusstseinserweiterndes Rauschmittel" und rief dazu auf, sie regelmäßig zu lesen.
Wagners Tod folgt nur wenige Wochen auf den Hilsbergs. Beide Männer, obwohl aus völlig unterschiedlichen Welten, wurden durch ihre kompromisslosen Standpunkte zu festen Größen im deutschen öffentlichen Leben.
Wagners Kolumnen werden in der Bild nicht mehr erscheinen, doch sein Nachfolger hält das Format am Leben. Hilsbergs Einfluss lebt in Hamburgs kulturellem Gedächtnis weiter. Ihre Vermächtnisse, so unterschiedlich sie auch sein mögen, zeigen, wie sich Medien und Gegenkultur in Deutschland seit jeher überschneiden.






